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rnf septemberAuch wenn es im September oft noch sehr warm ist – der Sommer geht zu Ende, die Getreideernte ist abgeschlossen. Da der Name „September“ wörtlich der siebente Monat bedeutet (nach der römischen Monatszählung), was für uns ja nicht mehr zutrifft, ist der alte Name „Scheidings – der Sommer scheidet – zutreffender.
Im Brauchtum gibt es auch in diesem Monat einige wichtige Tage, zu denen „Mariae Geburt“ am 8. gehört. Bekannt ist die Bauernregel „Mariae Geburt jagt die Schwalben furt“, aber man soll aus dem Wetter an diesem Tag auch schließen können, wie es die meiste Zeit in diesem Monat wird.
An diesem Tag fand früher die wichtigste Wallfahrt zur größten österreichischen Wallfahrtskirche Mariazell in der Steiermark an der Grenze zu Niederösterreich statt. Die Geschichte der Entstehung dieser Kirche ist interessant und hat Parallelen zu vielen anderen Wallfahrtskirchen, in deren Namen sie sich sogar spiegelt. Vielfach besagt eine Legende, daß oft in einem Baum ein Marienbild (oder das eines anderen Heiligen) gefunden wurde. Auch wenn das Bild entfernt wurde, fand man es schnell wieder an derselben Stelle, was man als Wunder betrachtete und zum Anlaß für den Bau einer Kirche an dieser Stelle nahm, zu der oft bis heute Wallfahrten stattfinden. Auch in einer Gemeinde bei Hechingen (Hohenzollern) gibt es eine kleine Wallfahrtskirche Maria Zell, die – als sie hinunter ins Dorf verlegt wurde – der Sage nach wieder auf den Berg zurückgekehrt sein soll. In einem Buch von 1898, das sich mit den „Sitten, Gebräuchen, Aberglauben und Festen der Germanischen Völker“ befaßt, findet sich dazu eine interessante Deutung: der Begriff „Wallfahrt“ käme vom früheren Wort „Waldfahrt“ und zeige die christliche Fortsetzung des alten heidnischen Brauches, zu den heiligen Stätten in den Hainen und auf den Bergen zu gehen, hatten die Germanen im Gegensatz zu den aus dem Orient stammenden Religionen doch keine Kirchen, Tempel o.ä., sondern heilige Haine u.a. Stätten im Freien. Ganz in der Nähe meines Wohnortes gibt es noch 1300 Jahre alte Bäume, die aus der Alemannenzeit stammen. Von einigen sind nach dieser langen Zeit natürlich nur noch Reste vorhanden, aber man kann sich gut vorstellen, daß es sich hier um einen solchen heiligen Hain gehandelt hat. Wir wissen, daß die Kirche, um überhaupt Fuß fassen zu können, vorgefundene Bräuche und Handlungen geschickt mit ihren eigenen verband. Auf einem Berg stehende Michaelskirchen deuten immer darauf hin, daß es sich hier um eine alte heidnische Kultstätte handelt.

Dargestellt als Drachentöter, erinnert Michael an Siegfried, den siegreichen Helden. Als „deutscher Michel“ mit der Schlaf- oder Zipfelmütze, tumb und verschlafen, wurde er zur negativen Karikatur des Deutschen. Ähnliche Umkehrungen des Leuchtenden, Guten finden wir z.B. im Namen Luzifer für den Teufel, also das Böse, aber die in den nordischen Ländern heute noch bekannte Luzia ist die Lichtgestalt der Weihnachtszeit. Der „Michaelstag“ fällt übrigens auch in den September (29.)
In Süddeutschland gibt es eine Vielzahl von Marienkirchen, die sogar einen Baum im Namen führen wie Maria Linden in Ottersweiler (Baden), Maria in der Tann in Triberg (Schwarzwald), Maria Birnbaum in Siebenbach bei Aichach/Friedberg (Bayern), Maria Eich in Planegg bei München oder Maria Dreieichen in Niederösterreich.
Früher fand ja an besonders wichtigen Tagen wie hier dem Michaelstag ein Thing statt, das mit einem großen Markt verbunden war. Noch heute sind in ländlichen Gegenden Reste davon erhalten, auch wenn das Angebot an Waren ein anderes ist als früher, wo vor allem der Viehmarkt wichtig war und auf den Märkten im Herbst Gemüsevorräte für den Winter eingekauft werden konnten. Eine kleine Erinnerung daran bietet noch die große Fruchtsäule am Cannstätter „Wasen“ (bekanntestes Volksfest in Baden-Württemberg), der ansonsten mit dem Münchner Oktoberfest vergleichbar ist. In diesem Zusammenhang ist interessant, daß durch diese Feste Dirndl und Lederhosen wieder in Mode kamen, über die man sich zwischenzeitlich – wenn es sich nicht um reine Brauchtumsveranstaltungen wie Volkstanzfeste handelte – mindestens lustig machte, wenn man nicht die Träger gleich als „Nazis“ beschimpfte. Inzwischen kann man auch in Baden-Württemberg auf so manchem Dorffest (meist junge) Leute in dieser volkstümlichen Kleidung antreffen. Das zeigt uns – wie auch vielerlei neu gestaltete Figuren in der schwäbisch-alemannischen Fasnet, – daß das Brauchtum noch lebt.

Edda Schmidt




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